Wie gerät jemand in die Neonaziszene? Was passiert dort? Warum schotten sich die Neonazis so sehr ab? Warum treten sie oft in Rudeln auf? Warum bekämpfen sie unseren demokratischen Staat?

Antworten auf all diese Fragen konnte nun ein Aussteiger aus der Neonaziszene geben, der am Montag, dem 13. Juli 2026, im Kulturzentrum Grend zu Gast war. Es war Manuel Bauer aus Torgau in Sachsen. Er stellte sich den Schülerinnen und Schülern der Q1 aus der Gymnasialen Oberstufe der Erich Kästner-Gesamtschule, die gekommen waren, um sich mit ihm auseinanderzusetzen. Mit 14 Jahren habe er, so erzählte er, die ersten Kontakte zur Szene gehabt. Mit 16 sei er Stellvertretender Kameradschaftsführer gewesen, mit 18 der Führer. Dann habe er die Wehrsportgruppe „Racheakt“ und den paramilitärischen „Bund Arischer Kämpfer“ gegründet. Saufen, rauchen, feiern und sich schlagen, darum sei es immer wieder gegangen. Die allgemein schlechte soziale Lage 1990 nach der Wende in der ehemaligen DDR habe das begünstigt. Manuel Bauer berichtete, wie er in die Neonaziszene hineinwuchs und er sich immer mehr in Straftaten verstrickte – schwere Straftaten. Mehr als 3 Jahre Haft standen zuletzt zu Buche. Bindeglied und Aufputschmittel war für ihn rechtsradikale Musik.
Es war schockierend zu erfahren, wie geschlossen die Gruppen waren, zu denen er gehörte, und wie , sehr diese sich von der Außenwelt abschotteten. Die Naziideologie duldete keinen Widerspruch. Nur so konnte das gemeinsame kranke Weltbild aufrechterhalten werden, in dem Andersdenkende und anders Aussehende keinen Platz hatten. Das Kartenhaus wäre angesichts seiner Widersprüchlichkeit und seiner teilweise oft faktenfreien Einseitigkeit in sich zusammengefallen.
Schockierend war es aber dann auch zu erfahren, wie sehr die Herabwürdigung anderer und ihre Entmenschlichung in rohe Gewalt mündete und selbst schwangere Frauen und Kinder nicht verschonte. Manuel Bauer war da sehr deutlich und ehrlich.
Die Gewaltexzesse der Neonazis, von denen er sprach, erinnerten an das Dritte Reich, wo KZ-Aufseherinnen und -Aufseher beispielsweise brutal die Häftlinge schikanierten oder sogar totschlugen, um dann zu Hause liebevolle Väter und Mütter zu sein. So etwas geht nur, wenn man dem anderen das Menschsein abspricht. Ein Alarmsignal und zugleich ein Weckruf, der sich an alle Schülerinnen und Schüler richtete. Manuel Bauer bat sie eindringlich, wo es geht, Brücken zu bauen zu denen, die abzurutschen drohen. Denn die Isolation gerade sei es, die sie in der Naziszene festbinden würde. Das ist in der Tat wichtig. Notwendig ist es aber auch, noch besser als bisher die unterrichtlichen Möglichkeiten zu nutzen, um ideologische Haltungen abzubauen und den Dialog miteinander einzuüben.
Manuel Bauer hat den Ausstieg aus der Naziszene dank Exit Deutschland geschafft, einer Organisation, die sich schon seit vielen Jahren darum bemüht, Brücken zu bauen und ehemaligen Neonazis wieder einen Weg zurück in unsere Gesellschaft zu öffnen. Er ist ein Beispiel und vielleicht auch ein Vorbild, wenn man so will!
Das war gewiss ein lehrreiches Aussteigergespräch! Wir bedanken uns bei Manuel Bauer und Exit Deutschland, dass dieses Zusammentreffen möglich wurde!
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Das Projekt wurde gefördert im Rahmen der Allgemeinen Projektförderung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW (MKW) durch Soziokultur NRW.




